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04.10.2007 00:36

“Wenn
Tyrannei und Unterdrückung in dieses Land kommen, so wird es in der
Verkleidung des Kampfes gegen einen äußeren Feind sein.“ James Madison (1751 - 1836), 4. US Präsident und Verfasser der US Verfassung „Wenn der Faschismus nach Amerika kommt, so wird er in die Fahne gewickelt sein und das Kreuz tragen.“ Sinclair Lewis, (It can‘t happen here, 1935) „Unglückselige Ereignisse
im Ausland haben uns erneut zwei einfache Wahrheiten über die Freiheit
eines demokratischen Volkes gelehrt. Die erste Wahrheit ist, daß die
Freiheit einer Demokratie nicht sicher ist, wenn das Volk das
Heranwachsen einer privaten Macht bis zu dem Punkt duldet, an dem diese
Macht stärker ist als der demokratische Staat. Dies ist seinem Wesen
nach Faschismus - Die Regierungsgewalt als Eigentum einer einzelnen
Person, einer Gruppe oder irgendeiner anderen privaten Instanz, die sie
kontrolliert.“ Franklin D. Roosevelt (1882-1945), 32. US Präsident „... Ein Imperium ist
Despotismus, und ein Imperator ist ein Despot, durch kein Gesetz
gebunden, keiner Einschränkung außer durch seinen eigenen Willen
unterworfen. Es ist die Erweiterung der Tyrannei über die absolute
Monarchie hinaus. Denn obwohl der Wille eines absoluten Monarchen
Gesetz ist , müssen seine Verordnungen doch von den Parlamenten
abgezeichnet werden. Noch nicht einmal diese Formalität ist in einem
Imperium erforderlich.“ John Adams (1735-1826), 2. amerikanischer Präsident „Ich bin der
Oberbefehlshaber, verstehen Sie? Ich muß nicht erklären, warum ich
etwas sage. Das ist das Interessante daran, Präsident zu sein. Jemand
anders muß mir möglicherweise erklären, warum er etwas gesagt hat, aber
ich habe nicht das Gefühl, daß ich irgendjemandem eine Erklärung
schulde.“ George W.Bush, in Bob Woodwards Buch ‚Bush at War‘ (Bush im Krieg) zitiert. Es mag zum Teil eine Folge der
Terrorattacken vom 11. September 2001 und der Wahrnehmung einer
wachsenden Bedrohung durch fanatische Islamisten sein, aber es ist
nicht zu leugnen, daß Imperialismus in der auswärtigen Welt und
Faschismus in Amerika selbst im Amerika des 21. Jahrhunderts im
Aufstieg begriffen sind. Das ist erstaunlich, denn zusammen mit dem
totalitären Kommunismus waren genau diese beiden die zwei
katastrophalsten politischen Krankheiten des 20. Jahrhunderts, gegen
die die Vereinigten Staaten und andere Demokratien während des
mörderischsten Jahrhunderts in der Geschichte der Menschheit kämpften.
Eine
solche Entwicklung ist bedeutsam für die Vereinigten Staaten, aber sie
ist auch von überragender Bedeutung für alle anderen Demokratien, denn
wenn die Vereinigten Staaten, die eine der besten demokratischen
Verfassungen der Welt haben, einer Art von gutartigem Totalitarismus
verfallen, welches Schicksal mag der Demokratie anderswo beschieden
sein ?
Lassen Sie uns einige Begriffe definieren,
bevor wir weitermachen. Was ist Imperialismus? Was ist Faschismus? Was
ist Totalitarismus? Und was ist Demokratie?
Erstens,
Imperialismus ist der Gebrauch von Gewalt in internationalen
Beziehungen, unter Mißachtung des internationalen Rechts und den
Erfordernissen gerechtfertigter Selbstverteidigung, mit dem Ziel andere
Länder, ihre Einwohner und ihre Resourcen zu kontrollieren, und mit
der ausdrücklichen Absicht, ihre Kulturen oder ihr Regierungssystem zu
ändern. - Das beste Buch über Imperialismus ist Der Imperialismus von John Atkinson Hobson. (Kiepenheuer u. Witsch, 1968) Zweitens,
Faschismus ist ein politisches Regime, das durch eine hohe
Konzentration der Macht im Staate auf eine einzelne politische Partei
oder auf eine Person gekennzeichnet ist, begleitet von einem
messianischen und kriegerischen Nationalismus. Weitere Kennzeichen sind
die unrechtmäßige Übernahme von Aufgaben der Legislative und Judikative
durch die Exekutive, die Unterdrückung individueller Freiheit, die
Verehrung von nationalen Symbolen wie Fahnen, und ein gesteigerter
Militarismus und die Notwendigkeit von militärischer Expansion im
Ausland, oft um eine empfundene Erniedrigung zu rächen. - Eines der besten Bücher über Faschismus Anatomie des Faschismus von Robert O. Paxton (dva, 2006) Drittens,
Totalitarismus ist ein breit angelegtes Konzept der Ausübung der Macht
durch eine Partei oder eine Person in einem Land durch Gewalt, ohne
Einschränkung durch Gesetze oder Regeln eingeschränkt zu sein. - Das vielleicht beste Buch über Totalitarismus ist Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft (1958) von Hannah Arendt. Demokratie
schließlich ist eine Regierungsform in der die Vorstellungen der Bürger
die Politik des Gemeinwesens bestimmen, und in der das Volk eine
Regierung aus dem Volk, durch das Volk und für das Volk wählt. Sie
besteht auf der Grundlage des Gesetzes, der Dezentralisierung und
Teilung der Gewalten und dem Schutz der grundlegenden Freiheiten und
Rechte des Einzelnen. Sie ist das Gegenteil von Imperialismus,
Faschismus und allen Arten von Totalitarismus. - Eine klassische Analyse der Demokratie des amerikanischen Typs ist Über die Demokratie in Amerika von Alexis de Tocqueville (1805).
Jetzt
lassen Sie uns ein paar Tatsachen und Ereignisse untersuchen, die in
der letzten Zeit in den Vereinigten Staaten stattgefunden haben. Wenn
man sie zusammenfügt, damit sie ein Ganzes ergeben, so entsteht ein
machtvolles politisches und rechtliches Rahmenwerk, das es George W.
Bush oder irgendeinem anderen Politiker erlaubt, die Vereinigten
Staaten per Dekret zu regieren, anstatt dem Willen des Volkes
unterworfen zu sein. Zuerst ist da die imperialistische Doktrin der
Neokonservativen vom September 2002, die sich die Bush-Cheney Regierung
zu eigen gemacht hat, um die illegale militärische Invasion des Irak im
März 2003 zu starten. Dies geschah aufgrund der imperialistischen
„Bush-Doktrin“ über Präventivkriege, von unilateralem Handeln in den
internationalen Beziehungen und von selbstgefälliger militärischer
Überlegenheit in aller Welt. Dieser überheblichen Doktrin der
Außenpolitik folgend, könnten die Vereinigten Staaten jedes Land, vor
allem im Nahen und Mittleren Osten mit dem Ziel invadieren, dort eine
demokratische Regierung zu installieren, die den Vereinigten Staaten
und ihren Verbündeten freundlich gesonnen ist. Das besetzte Land würde
in der Folge ein Modell für andere Länder werden, die dann dasselbe
politische System und die gleiche Politik übernähmen. Wir wissen
alle, welcher Erfolg dieser neuen imperialistischen Doktrin im Irak
beschieden war und was ihre katastrophalen Konsequenzen sind. Daß
die Bush-Doktrin aus dem Jahre 2002 für die USA das Recht in Anspruch
nimmt, andere Länder aufgrund von vagen Plänen zum sozialen Umbau von
Gesellschaften zu invadieren, stellt eine Zurückweisung der Prinzipien
von Nürnberg und des Verbots von Angriffskriegen in der Charta der
Vereinten Nationen dar, die beide von amerikanischen Führern vor
sechzig Jahren ausdrücklich unterstützt wurden. So stellt
beispielsweise die Charta von Nürnberg fest, „einen Angriffskrieg zu
beginnen ... ist nicht nur ein internationales Verbrechen, es ist das
äußerste internationale Verbrechen.“ Was die UN-Charta anbetrifft, so verkündet ihre Präambel, daß sie aufgestellt wurde, „um künftige Generationen vor der Geißel des Krieges zu bewahren.“
Zweitens hat die Bush-Cheney-Regierung in einer Weise, die an das Regime Adolf Hitlers erinnert, als er das Recht auf habeas corpus* in Deutschland am 28. Februar 1933 aufhob, in den Vereinigten Staaten ebenfalls das Recht auf habeas corpus außer
Kraft gesetzt. Am 17. Oktober 2006 unterzeichnete George W. Bush den
Military Comissions Act (S.3930), ein Gesetz, das das Recht auf habeas corpus
für Ausländer, die des Terrorismus angeklagt werden, ebenso aufhebt,
wie für Amerikaner und ausländische Staatsbürger, die von der
Exekutive (also beispielsweise durch den Präsidenten oder ein Mitglied
seiner Regierung. A.d.Ü.) als „enemy combatants“ (feindliche Kämpfer)
klassifiziert wurden. Nach diesem Gesetz kann jede Person, Bürger oder
nicht Bürger der USA, je nach Laune der Exekutive seines Rechts auf ein
ordentliches Verfahren beraubt werden und unbestimmte Zeit in Haft
gehalten werden, ohne jede Möglichkeit, hiergegen Rechtsmittel
einzulegen. Die Vereinigten Staaten sind wahrscheinlich das einzige Land in der Welt, in dem das Recht auf habeas corpus außer Kraft gesetzt ist und werden dennoch weiterhin ein „demokratisches“ Land genannt.
Drittens
wurde der Defense Authorization Act of 2006 (H.R. 1815) am 30.
September 2006 vom Kongreß verabschiedet und von Präsident Bush am 17.
Oktober 2006 unterzeichnet. Das Gesetz ermächtigt den Präsidenten, im
Falle eines „terroristischen Ereignisses“ das Kriegsrecht zu verhängen,
wenn er oder andere Bundesbeamte die „öffentliche Ordnung“ bedroht
sehen. Der Rückgriff auf das Kriegsrecht könnte beispielsweise als
Antwort auf eine Terror-Attacke geschehen, aber es ist nicht
ausgeschlossen, daß es auch verhängt werden könnte, wenn es bei
Anti-Kriegs-Demonstrationen zu Ausschreitungen käme, oder auch im Falle
von irgendeiner größeren politischen Unruhe. Da die
Bush-Cheney-Regierung ungestraft unter einem Vorwand einen Krieg
beginnen konnte, fragt sich, was sie daran hindern sollte, unter einem
Vorwand das Kriegsrecht zu verhängen.
Als viertes erinnern wir
uns daran, daß der Kongreß im Jahre 1807 den Insurrection Act (Gesetz
über Aufstände im Land, A.d.Ü.) mit dem Ziel verabschiedete, die
Möglichkeiten des Präsidenten, das Militär innerhalb der Vereinigten
Staaten einzusetzen, erheblich einzuschränken. Der Posse Comitatus Act
von 1878 verschärfte diese Einschränkungen noch, indem er jeder Person,
die das Militär innerhalb der Vereinigten Staaten ohne die
ausdrückliche Genehmigung durch den Kongreß einsetzt, zwei Jahre
Gefängnis androht. Wörtlich besagt das Gesetz in Sektion 1385 ( Einsatz von Armee und Luftwaffe als Landsturm): „Wer,
außer in Fällen und unter Umständen, in denen die Verfassung oder ein
Gesetz des Kongress ausdrücklich dazu ermächtigt, willentlich die Armee
oder die Luftwaffe als Landsturm oder anderweitig einsetzt, um Gesetzen
Geltung zu verschaffen, soll nach dieser Vorschrift mit Geldstrafe oder
mit Gefängnis von nicht mehr als zwei Jahren, oder mit beidem bestraft
werden.“ Diese Sicherungen sind jetzt alle entfernt. Tatsächlich
wurde bei der Verabschiedung des John Warner National Defense Act für
das Steuerjahr 2007 (H.R.5122)**
der Name der Schlüsselvorschrift im Gesetzbuch von „Gesetz über
Aufstände“ in „Gesetz zur Durchsetzung von Gesetzen zur
Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung“ geändert. Während das
Gesetz über Aufstände von 1807 vorschrieb, daß der Präsident Truppen
innerhalb der Vereinigten Staaten nur dann einsetzen konnte, „um in
einem Staat jedweden Aufstand, gewaltsame Ausschreitungen,
gesetzwidrige Zusammenrottungen oder Verschwörungen zu unterdrücken“, erlaubt
das neue Gesetz dem Präsidenten nicht nur, das Kriegsrecht zu verhängen
und per Dekret zu regieren, sondern es gibt dem Präsidenten auch die
Macht, Einheiten der Nationalgarde ohne Zustimmung durch den Gouverneur
des jeweiligen Staates einzusetzen. Das Gesetz erweitert außerdem die
Liste der Fälle, in denen die Verhängung des Kriegsrechtes zulässig
ist. Eingeschlossen sind jetzt „Naturkatastrophen, Epidemien oder
ander die öffentliche Gesundheit bedrohende Notfälle, terroristische
Attacken oder Ereignisse, oder anderweitige Umstände“ - und diese
anderweitigen Umstände sind nicht definiert oder irgendwie
eingeschränkt. Aller Schutz gegen den Einsatz des Militärs im Inland
ist beseitigt, zugunsten der neuen Ermächtigungen für den Präsdidenten,
nunmehr nahezu nach Belieben verfahren kann.
Fünftens, die National Security and Homeland Security Presidential Directive
(Direktive des Präsident zur Nationalen Sicherheit und zur Sicherheit
des Heimatlandes), die von Präsident George W.Bush am 4. Mai 2007
unterzeichnet wurde, geht noch weiter und legt fest, daß der Präsident
im Falle eines „katastzrophalen Ereignisses“ das werden kann, was man
am ehesten als de facto Diktator bezeichnen kann: „Der Präsident soll die Aktivitäten der Bundesregierung (aller drei Zweige - Legislative, Judikative und Exekutive. A.d.Ü., siehe auch Marjorie Cohns Artikel) leiten, um die verfassungsmäßige Regierung zu gewährleisten.“ Das Inkrafttreten der Direktive wurde in den gängigen US-Medien so gut wie nicht erwähnt und auch vom Kongreß nicht diskutiert.
Sechstens
autorisierte die Bush-Cheney-Regierung das Abhör- und
Überwachungsprogramm der Nationalen Sicherheitsagentur (NSA) das ohne
ausreichende richterliche Überwachung erfolgte, ohne daß das
Justizministerium zugestimmt hätte, und trotz der Einwände des
damaligen Generalstaatsanwalts John Ashcroft. Das Überwachungsprogramm
war illegal, weil es gegen den Foreign Intelligence Surveillance Act
von 1978 verstieß, nach dem ein Kollegium von Richtern in geheimer
Sitzung über Abhöranträge entscheiden muß. Wenn eine Regierung beginnt,
gegen die Gesetze zu verstoßen, gibt es keine Möglichkeit
vorherzusagen, wohin das führen oder wie weit sie dabei gehen wird. Es
ist ein offenes Feld. Siebtens gibt es schließlich die Praxis,
Gefangene zu foltern und anderen entwürdigenden Behandlungen zu
unterwerfen, obwohl dies eindeutig gegen internationales Recht und
gegen die Gesetze der Vereinigten Staaten verstößt. Es ist wahrhaftig
erstaunlich, daß der Oberste Gerichtshof das Weiße Haus unter Bush und
Cheney im Juni 2006 daran erinnern mußte, daß es sich an die Genfer
Konvention halten muß. Es sieht so aus, als konnte man dort nicht von
allein darauf kommen. Dieses sind sieben der
wichtigsten vielsagenden Entwicklungen, von denen einige in den
Vereinigten Staaten vollkommen unbemerkt blieben, die aber die Väter
der Verfassung in ihren Gräbern rotieren ließen, könnten sie sehen, was
man ihrem Werk angetan hat. Technisch gesprochen besteht für den
Durchschnittsbürger weiterhin ein ausreichender Grad von Freiheit der
Person in den Vereinigten Staaten, aber dies könnte sich im
Handumdrehen - oder besser durch einem Federstrich - ändern. In den
letzten sechs Jahren hat die Bush-Cheney-Regierung die Vereinigten
Staaten von Amerika unübersehbar in Richtung Imperialismus und
Faschismus gerückt. - Es ist nicht zu leugnen, daß wir in
schwierigen Zeiten mit großen Herausforderungen leben, aber die
Amerikaner (und der Rest der Welt, A.d.Ü.) sollten beten, daß in der
Amtszeit von George Bush kein größeres katastrophales Ereignis
eintritt, denn alle nötigen Vorbereitungen sind getroffen, um
Freiheiten und Freiheitsrechte zu suspendieren und den Amerikanern ein
faschistisches Regime aufzuzwingen, wenn sich der Vorwand hierzu
bietet. Dies ist ein ernüchternder Gedanke. A.d.Ü. *habeas corpus:
Rechtsgrundsatz nachdem einer Person die Freiheit nur aufgrund eines
förmlichen Gesetzes und aufgrund richterlicher Anordnung entzogen
werden darf, also mit angemessener Begründung, die sich auf konkrete,
gesetzlich festgelegte Gründe beziehen muß,. Im deutschen Grundgesetz
in Artikel 104 Abs. 1 und 2 verankert. ** John Warner ist Senator der Republikaner für den Bundesstaat Virginia.
IMPERIUM: 09/07/2007

Ein
durchgesickerter Bericht des Roten Kreuzes macht das Bush-Team zu
Kandidaten für einen internationalen Kriegsverbrecherprozeß
Sollte je eine Entsprechung
der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse für die amerikanischen Urheber
der Verbrechen gegen die Menschheit in Guantanamo, Irak und den
geheimen Gefängnissen der CIA stattfinden, wird es haufenweise Beweise
geben, aufgelistet in dokumentierten internationalen Berichten von
Menschenrechtsorganisationen, darunter auch ein Organ des
Europaparlaments - desgleichen in mit reichlich Belegen versehenen
Büchern wie dem von Stephen Grey, „Ghost Plane: The True Story of the
CIA Torture Program“ (Geister-Flugzeug: Die wahre Geschichte des
Folterprogramms der CIA), erschienen bei St.Martin‘s Press, und dem
gerade veröffentlichten Buch von Charlie Savage „Takeover: The Return
of the Imperial Presidency and the Subversion of American Democracy
(Übernahme: Die Rückkehr der imperialen Präsidentschaft und die
Unterwanderung der amerikanischen Demokratie), erschienen bei Little,
Brown.
Während der mehrheitlich
demokratische Kongreß immer noch vor der Aufgabe steht, eine ernsthafte
Untersuchung über das anzustellen, was europäischen Gesetzgebern über
amerikanische Kriegsverbrechen schon jetzt bekannt ist, wurde ein
besonders aussagekräftiger Bericht des internationalen Roten Kreuzes
bekannt, der in einem solchen Kriegsverbrecherprozess im Stil von
Nürnberg sicher eine exponierte Rolle spielte. Das Rote Kreuz selbst
hält sich in der Öffentlichkeit zurück, die Ergebnisse ihrer
Untersuchungen über den Stand der Menschenrechte in Gefängnissen in
aller Welt bekanntzumachen, weil die Regierungen sie ansonsten nicht
hineinließen.
Aber Jane Mayer von der
Zeitschrift The New Yorker hat Quellen, die Berichte über die
Interviews des Roten Kreuzes mit Gefangenen gesehen haben, die zuvor in
geheimen Gefängnissen der CIA inhaftiert waren. In ihrem Artikel „The
Black Sites“ ( Die schwarzen Orte [Geheimdienst-Slang für geheime
Gefängnisse], The New Yorker, 13. August 2007, http://www.newyorker.com/reporting/2007/08/13/070813fa_fact_mayer?printable=true)
offenbart Mayer auch, wie das, was sie auf Befehl des Präsidenten zum
„Schutz amerikanischer Werte“ tun, auf unsere Folterer selbst wirkt.
 "Waterboarding" : eine übliche Foltermethode der CIA in den "schwarzen Orten"
Sie zitiert einen früheren
CIA-Beamten: „Wenn Du diese Grenze in die Dunkelheit überschreitest,
wird es schwierig, zurückzukehren. Du verlierst Deine Seele. Du magst
Dein Bestes tun, um es zu rechtfertigen, aber ... Du kannst nicht an
jenen so finsteren Ort zurückkehren, ohne daß er Dich verändert.“
Wie dem auch sei, nur wenige
Durchschnittsamerikaner haben sich durch das verändert, was die CIA in
ihrem Namen tut. Das kann man auf die absolute Geheimhaltung schieben,
die weiterhin über die Methoden der CIA, Informationen zu erhalten,
verhängt ist. Am 20. Juli erließ die Bush-Regierung eine neue
Verfügung, die die CIA befugt, diese Techniken weiterhin zu nutzen,
ohne irgendetwas über sie verlautbaren zu lassen.
Wenn wir, das Volk schließlich
von einem Weltgericht für unsere Komplizenschaft und unser Schweigen zu
diesen Kriegsverbrechen verurteilt werden, können wir immer noch
versuchen, jene Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg nachzuahmen, die
behaupteten, nicht zu wissen, was Hitler und seine Gehilfen taten. Aber
in Nazi-Deutschland hatte das Volk keine Möglichkeit, darauf zu
bestehen herauszufinden, was mit ihren verschwundenen Nachbarn
geschehen war.
Wir dagegen haben das Recht
und die Macht darauf zu bestehen,daß der Kongreß die Einzelheiten über
Folter und andere Brutalitäten aufdeckt, die die CIA in unserem Namen
Terror-Verdächtigen angetan hat.
Nur ein Kongreßabgeordneter,
Oregons demokratischer Senator Ron Wyden hat darauf bestanden, die
Rechtmäßigkeit der Methoden der CIA zu untersuchen - mit dem Erfolg,
daß er die Ernennung von Bushs Wunschkandidaten John Rizzo zum
Chefanwalt der CIA verhindert hat. Rizzo, CIA Beamter seit 2002, hat
öffentlich erklärt, er habe keine Einwände gegen die vom
Justizministerium angefertigten Gutachten zum Thema „Folter“ aus dem
Jahre 2002, die das Zufügen von Schmerzen erlaubten, es sei denn,
dadurch würden Verletzungen verursacht, die „Organversagen ... oder gar
Tod“ zur Folge haben. (Jedes Zufügen von Schmerzen bis zu dieser Grenze
wurde nicht für un-amerikanisch gehalten) Herr Rizzo würde einen
Kronzeugen in jedem künftigen Nürnberger Prozess abgeben.
Wie Jane Mayer im Sender
National Public Radio am 6. August sagte, fand sie in dem
durchgesickerten Bericht des Roten Kreuzes und im Rahmen ihrer eigenen
ausgiebigen Recherche über unsere (von unserem Oberbefehlshaber so
gelobten) Verhörspezialisten ein „mechanistisches, straff hierarchisch
kontrolliertes Programm der Mißhandlung, das letztendlich tatsächlich
vom Weißen Haus abgesegnet wurde und in der Folge von der CIA auf allen
Ebenen von den obersten Rängen bis zu den unteren Chargen umgesetzt
wird. ... Sie steckten Häftlinge entkleidet bis zu 40 Tage in Zellen,
in denen es keinerlei Lichtquelle gab. Sie schirmten die Gefangenen von
allem ab, was ihnen eine Vorstellung darüber geben konnte, welche
Uhrzeit es war oder wo sie sich befanden.“
Mayer berichtete auch über die
Befragung von Abu Zubaydah durch die CIA, der nicht nur dem
„Waterboarding“ unterzogen wurde (einer Technik, mit der man ihm das
Gefühl gab, er solle ertränkt werden), sondern auch „über lange Zeit in
einem kleinen Käfig, ungefähr ein Meter mal ein Meter, gehalten wurde,
in dem er nicht aufstehen konnte. Die CIA nannte das die Hundekiste.“
Ob es einen solchen Nürnberger
Prozeß nun geben wird oder nicht - und der Kongreß schläft weiterhin -
künftige Historiker der Regierung Bush werden sich sicher auch auf den
im Juli veröffentlichten Bericht der Organisationen Human Rights First
und Physicians for Social Responsibility (Ärzte für soziale
Verantwortlichkeit) beziehen, der den Titel trägt: Leave No Marks:
Enhanced Interrogation Techniques and the Risk of Criminality)
Hinterlaßt keine Spuren: Verbesserte Verhörtechniken und das Risiko von Strafverfolgung)
Der Bericht betont, daß der
Erlaß des Präsidenten über die Verhöre duch die CIA vom Juli - der,
obwohl er geheim ist, weithin dafür gepriesen wurde, daß er „Folter
sowie grausame und unmenschliche Behandlung unterbindet“, ausdrücklich
nicht die Verwendung der ‚fortschrittlichen‘ Verhörmethoden
ausschließt, die die CIA „mit Billigung des Präsidenten“ im März 2002
autorisiert hat. (Hervorhebung nachträglich)
2002 prangerte der damalige
Außenminister Colin Powell die Gutachten über „Folter“ und andere
Verhörmethoden in internen Berichten an, die auch das Weiße Haus
erreichten. Es ist schade, daß er nicht auch uns etwas davon gesagt
hat. Aber Powells Einwände sollten dafür sorgen, daß er in einem
künftigen internationalen Strafverfahren nicht auf der Anklage Platz
nehmen muß.
(Anm. d. Ü.: Warum eigentlich?
Powell hat schließlich aktiv bei der Vorbereitung eines illegalen
Angriffskrieges mitgewirkt, indem er wider besseres Wissen den Irak vor
der UN beschuldigte, Massenvernichtungswaffen zu besitzen und weitere
zu produzieren. Auch wäre zu prüfen, inwieweit auch Beihilfe oder
wenigstens Strafvereitelung im Zusammenhang mit den Folterungen in
Frage kommt, da er die Praktiken der CIA der Öffentlichkeit und den
Strafverfolgungsbehörden gegenüber verschwiegen und damit gedeckt hat.)
Dem „Leave No Marks“-Bericht
zufolge sind es eine ganze Reihe von amerikanischen Rechtsvorschriften,
die die CIA, das Verteidigungsministerium und das Justizministerium
eindeutig verletzt haben:
Mit dem Gesetz zur
Übereinkunft über Folter (Torture Convention Act) von 1994 machten wir
den Artikel 5 des UN-Abkommens gegen Folter zu amerikanischem Gesetz.
Dieser definiert Folter als „Handlung, die von einer (offiziell dazu
autorisierten) Person gezielt ausgeführt wird, um einer anderen Person,
die sich in ihrer Obhut oder in ihrer physischen Gewalt befindet,
schwere psychische oder physische Schmerzen zuzufügen.“
Der US War Crimes Act (Gesetz
über Kriegsverbrechen) von 1997 „stellt ...eine Reihe von spezifisch
aufgezählten Kriegsverbrechen unter Strafe, die das Gesetz als ‚grobe
Verstöße‘ gegen Artikel 3 [der Genfer Konvention] bezeichnet, darunter
die Kriegsverbrechen Folter und ‚grausame und unmenschliche
Behandlung‘.“
Der „Leave No Marks“-Bericht
bezieht auf dankenswerte Weise den Obersten Gerichtshof - bevor Chief
Justice (der vorsitzende Richter) John Roberts sein Amt antrat - in die
Belege für Kriegsverbrechen dieser Regierung mit ein. Ich schlage
dringend vor, daß Human Rights First und Physicians for Social
Responsibility ihren Bericht an jedes gegenwärtige Mitglied des
Obersten Gerichtshof senden - und dabei die folgende Passage
unterstreichen:
„Der Oberste Gerichtshof ist
seit langem der Aufffassung, daß eine Behandlung von Gefangenen
wesentlich gegen das Gebot eines ordentlichen Verfahrens verstößt, wenn
die Behandlung das ‚Bewußtsein schockiert‘, oder geeignet ist, selbst
abgehärtete Empfindlichkeiten zu verletzen, oder gegen den Grundsatz
der Gerechtigkeit verstößt, der in den Traditionen und im Bewußtsein
unseres Volkes derart verwurzelt ist, daß er als grundlegend betrachtet
werden muß.“
Wie der Bericht weiter
ausführt befinden sich unter diesen grundlegenden Rechten, auf die sich
frühere Oberste Gerichtshöfe beziehen, „das Recht auf körperliche
Unversehrtheit [und] das Recht, daß den [eigenen] Grundbedürfnissen
entsprochen wird, sowie das Recht auf die grundsätzliche Würde als Mensch“ (Hervorhebung nachträglich)
Wenn das Bewußtsein der
Mehrheit der Mitglieder des Gerichtshofes um Roberts nicht von dem
schockiert ist,was wir unseren Gefangenen angetan haben, dann wird es
am nächsten Präsidenten und am nächsten Kongreß liegen - und damit an
uns- wenigstens in einigen Aspekten noch zu beeinflussen, wie die
Geschichte uns beurteilen wird. Aber sieht irgendjemand unter den
durchschnittlichen Amerikanern nennenswerte Anzeichenfür ein
schockiertes Bewußtsein. Und wie sieht es mit den Kandidaten beider
Parteien für das Amt des Präsidenten aus?
Quelle: The Village Voice
Originalartikel veröffentlicht am 28. August 2007
Über den Autor
Hergen Matussik ist ein Mitglied von Tlaxcala,
dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann
frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert
wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer, der Prüfer als auch die
Quelle genannt werden.
URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=3746&lg=de
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FRIEDEN UND KRIEG: 23/09/2007
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