18.10.2007 14:12
Hier werden unregelmässig
Beispiele für dekadentes Verhalten
in unserer zivilisierten Industrienation veröffentlicht:
Beispiel: Heilige Messen für Tiere (selbstredend nicht etwa für Schlachtvieh sondern für Haustiere)
Tiergottesdienst:
Segen für Hund und Hamster
Einmal
im Jahr versammeln sich Katzen, Kleintiere und unzählige Hunde in der
St.-Aegidien-Kirche, um einen gemeinsamen Gottesdienst zu feiern. Am
vergangenen Wochenende war es wieder soweit.
Ein Bericht von Petra
Hänel.
Neugierig betritt Lenny das Gotteshaus, begrüßt mit
kräftigem Bellen einige Artgenossen und nimmt mit ihrer Familie in der
ersten Reihe Platz. Auf dem Arm von Frauchen Frauke Kreußler fühlt sich
die 1 ½-jährige Foxterrier-Hündin sichtlich wohl und beobachtet, wie
sich ihr gegenüber die Katzen mit ihren Besitzern in die Kirchenbänke
sortieren.
Lenny ist zum ersten Mal in den Tiergottesdienst gekommen, denn „auch
Tiere sind ein Geschenk und bereichern unser Leben. Und wann werden
Tiere so herzlich in die Kirche eingeladen?", fragt die 52-jährige
Frauke Kreußler, und Tochter Juliane ergänzt: „Wir haben unsere Hündin
erst ein gutes Jahr, und nachdem wir schon viel von dem
Tiergottesdienst gehört haben, wollen wir das Ereignis heute selbst
miterleben."
Bereits zum vierten Mal findet dieser spezielle Gottesdienst statt, der
von St.-Aegidien-Pastor Thomas Baltrock und dem Tierschutz Lübeck
veranstaltet wird. Gabriele Kunzig vom Tierheim hat alle Gottesdienste
dieser Art bislang miterlebt und sagt: „Die Idee ist gut, so wird eine
Verbindung von Tier und Kirche hergestellt."
Fiete, eine 10-jährige französische Bulldogge, nimmt noch einen Schluck
Wasser aus einem der Näpfe vor der Kirchentür. Dann nehmen auch sie und
Halterin Petra Zapf Platz.
Mit Beginn des Orgelvorspiels wird es ruhig, nur ein vereinzeltes
Knurren oder Miauen ist zu vernehmen. Darauf kommt auch Pastor Baltrock
in seiner Begrüßung zu sprechen: „Die Erfahrung hat gezeigt, dass die
Tiergottesdienste ruhiger verlaufen als so mancher
Konfirmanden-Gottesdienst." Etwa 160 Besucher sind gekommen, viele
davon mit ihren eigenen Tieren, manche aber auch aus Interesse oder
„weil er im letzten Jahr so schön war." Foxterrier Lenny schaut
aufmerksam nach vorne, den Pastor fest im Blick, und „sie verfolgt
alles mit großem Interesse", freut sich Frau Kreußler. Zustimmend leckt
die junge Hündin über Frauchens Nase.
Auch der 3 ½-jährige Boomer lässt sich nicht aus der Ruhe bringen,
weder vom Kaninchen hinter ihm als vom Plüsch-Meerschweinchen
gegenüber. Herrchen Günter Krawehl erklärt: „Boomer ist vom
Hundebesuchsdienst der Malteser, und wir besuchen zweimal in der Woche
ein Altenheim. Ihm sind neue Situationen nicht fremd, so dass er auch
in der Kirche gelassen bleibt."
Mit dem Lied „Der Mond ist aufgegangen" neigt sich der Gottesdienst dem
Ende entgegen. Lenny ist hellwach und schaut bei Juliane mit ins
Gesangbuch, während der graue Mischling neben ihr sich auf die Seite
legt, die Augen schließt und einschläft. Beim Segen sind alle wieder
hellwach. Zuerst segnet Thomas Baltrock die Menschen, dann die Tiere.
Und nach dem Gottesdienst kommen die Tierbesitzer ins Gespräch,
tauschen Erfahrungen aus und sind sich, wie Petra Zapf, sicher: „Auch
im nächsten Jahr sind wir wieder dabei."
Quellennachweis: http://www.hl-live.de/aktuell/textstart.php?id=37099
