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10.10.2007 13:26

Chile, das Land wo die Welt zu Ende ist - ( und der Himmel beginnt )







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Das Staatsterritorium von Chile besitzt eine der sonderbarsten Formen weltweit. Die enorme Nord-Süd-Erstreckung des Landes von ca. 4.500 km kann man sich am besten veranschaulichen, wenn man die entsprechenden Breitengrade auf die Nordhalbkugel überträgt. Dort würde Chile von Sylt bis an den Südrand der Sahara reichen. Klimatisch lassen sich daraus allerdings nur begrenzt Rückschlüsse ziehen, drängen sich doch auf der Südhalbkugel auf gleicher Distanz wegen des Einflusses der nahen Antarktis wesentlich größere Klimagegensätze zusammen. Die geringe West-Ost-Erstreckung von lediglich 80 - 400 km ermöglicht es dagegen, Chile mit dem Wagen in wenigen Stunden von dem bis zu 6.900 m hohen Andenkamm bis zur Pazifikküste zu durchqueren.






Grob kann man Chile von Nord nach Süd in die folgenden fünf naturräumlichen Einheiten untergliedern:

Der sog. Norte Grande ("Großer Norden") besitzt ein extrem wüstenhaftes Klima. Wirtschaftlich unbedeutende landwirtschaftliche Aktivitäten finden sich in den wenigen Oasen sowie im äußersten Osten, am Anstieg zum andinen Altiplano. Um so wertvoller ist der geologische Untergrund, welcher neben weltwirtschaftlich sehr bedeutsamen Kupfervorkommen eine ganze Reihe weiterer Erze birgt. Eine große Fangflotte nutzt die fischreichen Fanggründe vor der Küste.

Atacama-Wüste
Atacama-Wüste (II. Region) ©: Günther Eggers

Der sich südlich anschließende Norte Chico ("Kleiner Norden") wird durch halbwüstenhaftes Klima geprägt. Zwar ermöglichen die geringen Niederschläge nur extensive Ziegenhaltung, wo aber zusätzliches Bewässerungswasser zur Vefügung steht, findet sich intensiver Obstanbau (v.a. Tafeltrauben). Eine Vielzahl von zumeist kleinen Bergwerken nutzt den mineralischen Reichtum, der freilich nicht an den des Norte Grande heranreicht.

Elqui-Tal
Elqui-Tal (IV. Region) ©: Günther Eggers

Die sog. Zona Central ("Zentralzone") beherbergt auf knapp 15 % der Fläche fast drei Viertel aller Chilenen. Das an Kalifornien oder an den Mittelmeerraum erinnernde Klima der Zentralzone ist durch lange, trockene, aber nicht zu heiße Sommer sowie einen ca drei Monate dauernden kühl-feuchten Winter charakterisiert. Intensiv durch Bewässerungslandwirtschaft genutzt, konzentriert sich in der Zentralzone und dort besonders in Santiago die industrielle Produktion Chiles und der Dienstleistungssektor ebenso wie das politische und kulturelle Leben. Auch die beiden an Bedeutung auf Santiago folgenden chilenischen Zentren finden sich in der Zentralzone: die Doppelstädte Valparaíso / Viña del Mar (V. Region) sowie Concepción / Talcahuano (VIII. Region).

Valparaíso
Valparaíso (V. Region) ©: Günther Eggers

Den Teilraum vom Bío-Bío-Fluß bis zum Golf von Reloncaví mit der Hafenstadt Puerto Montt samt der Insel Chiloé könnte auf deutsch auch als "Kleinen Süden" bezeichnen. Die Chilenen unterteilen ihn in die nördliche Región de la Araucania (IX. Region) sowie die sich südlich anschliessende Región de los Lagos (X.Region). Das Klima dieses Raumes entspricht dem des atlantischen Westeuropa (Irland, Bretagne), die Landschaft ähnelt zuweilen dem Alpenvorland, nur daß im Osten eine Vielzahl von Vulkanen den Horizont beherrscht. Niederschläge sind das ganze Jahr über zu erwarten, jedoch mit einem deutlichen Maximum im Winterhalbjahr. Eine Bewässerung der Felder ist nicht mehr notwendig, dagegen fehlen wegen der häufigen Nachtfröste subtropische Anbaufrüchte. Getreideanbau sowie Vieh- und Milchwirtschaft herrschen vor. Ein wichtiger Teil des Regionaleinkommens wird in der Forstwirtschaft und der Zelluloseherstellung erwirtschaftet, leider ohne genügende Berücksichtigung des Umweltschutzes. Die regionale Bevölkerung ist für chilenische Verhältnisse besonders bunt gemischt, ein bedeutender Anteil gehört der indigenen Ethnie der Mapuche an, andere sind Nachkommen zentralchilenischer oder mittel- und westeuropäischer Zuwanderer.

Villarrica-See
Winter am Villarrica-See (IX. Region) ©: Günther Eggers

Der südlichste Naturraum Chiles, Patagonien, ist zugleich der am wenigsten erschlossene. In einem rauhen, kühl-feuchten oder an der Ostgrenze auch kühl-trockenen Klima leben in Landschaften, die an Norwegen oder an das südliche Neuseeland erinnern, gerade einmal 250.000 Menschen. Erwerbsquellen sind die (bescheidene) Erdölgewinnung, die Landwirtschaft (v.a. Schafzucht), Fischfang / Aquakultur sowie die Forstwirtschaft. Die faszinierenden Naturlandschaften Patagoniens sind von großem touristischen Interesse, die Besucherzahlen halten sich jedoch wegen des Klimas und der spärlichen Infrastruktur noch in engen Grenzen.

Patagonien
NP Torres de Paine (XII. Region) ©: Günther Eggers

Für das chilenische Selbstverständnis beschränkt sich das Staatsgebiet nicht auf das südamerikanische Festland und einige kleinere pazifische Inseln (v.a. die Osterinsel mit ihrer polynesisch geprägten Kultur), sondern erstreckt sich auch auf die antarktische Halbinsel, ein Anspruch, der freilich mit ähnlichen Ambitionen Argentiniens sowie Großbritanniens kollidiert und international nicht anerkannt wird.

Wenn Sie ein paar landschaftliche Impressionen sowie touristische Informationen zu den chilenischen Regionen erhalten wollen, so besuchen Sie die Website von SERNATUR , der staatlichen Tourismusbehörde. Wenn Sie auf das aktuelle Wetter an ihrem Einsatzort oder in einem anderen Landesteil neugierig sind, beim Meteorologischen Dienst erhalten Sie Auskunft.

Die Bevölkerung Chiles:

Die chilenische Bevölkerung zählt im Jahre 2006 nach offiziellen Berechnungen 16,4 Millionen Einwohner. Bezogen auf das chilenische Staatsterritorium (ohne Antarktis) ergibt sich somit eine Bevölkerungsdichte von 22 Einw./km² (Deutschland 230 Einw. / km²), ein Wert, der freilich wenig aussagekräftig ist, da weite Landesteile fast unbesiedelt sind.

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Graphik Bevölkerungsdichte
Bevölkerungsdichte der 13 Regionen Chiles ©: Günther Eggers

Chile gehört zu den am stärksten verstädterten Räumen der Erde, nur 13 von 100 Einwohnern leben noch in ländlichen Siedlungen, dagegen allein fast 40 % in der Hauptstadt Santiago. Die chilenische Lebenserwartung von 76 Jahren entspricht den Werten für die Industrieländer des Nordens. Weitere interessante Angaben zu Land und Leuten erhalten Sie beim Nationalen Statistischen Institut (INE) .

Ethnisch ist die chilenische Bevölkerung für lateinamerikanische Verhältnisse relativ homogen zusammengesetzt. Unternimmt man den (recht problematischen) Versuch, die chilenische Bevölkerung nach ihrer Abstammung zu klassifizieren, so läßt sich sicherlich die absolute Mehrheit als Mestizen einstufen, ca. 20 % dagegen als direkte Nachkommen europäischer Einwanderer. Eine Grenzlinie zwischen den beiden Gruppen läßt sich jedoch kaum ziehen, da das Mestizentum keine eigenständige kulturelle oder politische Positionen hervorgebracht hat, sondern sich stets an der europäisch-stämmigen Oberschicht orientierte, bei der es bei entsprechendem wirtschaftlichen Erfolg auch Aufnahme fand.

Eine deutliche Sonderrolle nehmen dagegen bis heute die indigenen Minderheiten Chiles ein, welche nach dem Zensus von 1992 ca. 10 % der Bevölkerung stellen. Die neueste Zählung von 2002 verzeichnet dagegen deutlich niedrigere Ziffern, eine erstaunliche Tatsache, die zu allerhand Polemiken Anlass gibt. Neben den etwa 100.000 Aymará in der I. und II. Region mit ihren engen Beziehungen zu Bolivien und Peru spielt insbesondere die groe Ethnie der Mapuche eine zunehmend selbstbewußte Rolle. Vor allem in der VIII. und IX. Region kam es in den letzten Jahren zu schweren Konflikten zwischen einigen Mapuche-Organistationen, dort ansässigen Privatunternehmen und der von letzteren gerufenen Staatsgewalt. Eine nachhaltige Entspannung ist leider noch nicht in Sicht, auch wenn die aufgeregten ersten Einschätzungen mancher politischer Beobachter, die schon ein neues "Chiapas" befürchteten, aus heutiger Sicht stark übertrieben wirken. Um die unterschiedlichen Positionen kennenzulernen, informieren Sie sich bei der staatlichen Behörde CONADI , den ebenfalls staatlichen Webseiten Origenes und Serindigena sowie bei den sehr kritischen Stimmen der Rehue Stiftung + . Ebenfalls lohnt ein Blick auf die intensive Berichterstattung in der regionalen wie nationalen Presse (siehe Seite 4, Medien).

Afroamerikanische Elemente fehlen in heutigen Chile im Gegensatz zu allen anderen südamerikanischen Staaten vollständig, obwohl sich für die Kolonialzeit die Existenz einer kleinen Schicht von afrikanischen Sklaven in den Haushalten reicher Städter nachweisen läßt. Auch asiatisch-stämmige Einwohner fehlen mit der Ausnahme einer kleinen koreanischen Gruppe.

In jüngster Zeit ist es zu einer verstärkten (und nicht immer legalen) Zuwanderung von Arbeitssuchenden aus dem Nachbarstaaten Peru und Bolivien gekommen, eine Entwicklung, die in Chile angesichts der erheblichen Arbeitslosigkeit nicht nur auf Zustimmung stößt. Andererseits schätzen viele Unternehmer und Oberschichtsfamilien die als "anspruchslos" geltenden billigen Arbeitskräfte.


Patagonien
Präkolumbianische Petroglyphen in der I. Region,
Distanz zwischen vorderem linken und rechten Bildrand ca. 30 m
©: Günther Eggers




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